Enabling poor rural people
to overcome poverty



IFAD 06/07

Rom, 14. Juni 2007 – Über 400 Entwicklungspraktiker und Politikmacher aus Ländern der Europäischen Union und Afrikas werden sich nächste Woche in Berlin zum Zweiten Europäischen Forum für Nachhaltige Ländliche Entwicklung versammeln. Das Forum wird von der Europäischen Kommission, der Deutschen Präsidentschaft der Europäischen Union, sowie von der Globalen Spenderplattform für Ländliche Entwicklung gesponsert.

Es ist zu erwarten, dass das Thema Ländliche Entwicklung im kommenden Jahr an prominenter Stelle in der internationalen Politikagenda rangieren wird, nachdem 2008 der Weltentwicklungsbericht über Landwirtschaft und Entwicklung herauskommen wird, sowie angesichts der anhaltenden Diskussionen der G8 betreffend die Mobilisierung von Ressourcen für die Entwicklung Afrikas.

IFAD Präsident Lennart Båge wurde eingeladen, anlässlich der Eröffnungsrunde des Forums am Montag, dem 18. Juni, eine Rede zum Thema “Nachhaltige Ländliche Entwicklung in Afrika”  zu halten. Båge wird dabei die Notwendigkeit von mehr Investitionen in Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, welche den Kleinfarmern zugute kommen, betonen.

Drei Viertel der insgesamt einen Milliarde der ärmsten Menschen der Welt lebt in ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern. Das Überleben dieser Menschen hängt von der Landwirtschaft ab. Afrika Südlich der Sahara spielt die Landwirtschaft eine zentrale Rolle in der Volkswirtschaft der Region, und macht 30 Prozent des BIP, 40 Prozent der Exporte und bis zu 70 Prozent der Beschäftigung aus.

Die Spendenunterstützung für landwirtschaftliche Entwicklung fiel jedoch von der Mitte der 80er Jahre bis Anfang 2000 stark ab. Zwischen 1983 und 1987 betrug die jährliche Offizielle Entwicklungsassistenz (ODA) für Landwirtschaft US$5,14 Milliarden. Bis 2000-2005, war diese Unterstützung jedoch auf durchschnittlich US$3,3 Milliarden gesunken.

Nationalregierungen müssen mehr in Landwirtschaft und ländliche Entwicklung investieren. In Ost- und Südasien hat es sich im Laufe der vergangenen zwanzig Jahre erwiesen, dass ein klarer Zusammenhang zwischen erhöhten Regierungsausgaben für landwirtschaftliche Zwecke und rapiden Fortschritten im Erreichen des so genannten ersten MDG (Millennium Entwicklungszieles) besteht. Im Gegensatz dazu, ging in Afrika Südlich der Sahara, wo wir das erste MDG nicht erreichen, und wo nach wie vor ein hohes Maß an extremer Armut vorherrscht, während der 90er Jahre der Umfang der öffentlichen Ausgaben für landwirtschaftliche Zwecke zurück, und verbleibt generell niedrig, obwohl Fortschritte zu verzeichnen sind.

Kevin Cleaver, Stellvertretender IFAD Präsident, der ebenfalls an den Erwägungen der Endsitzung der Konferenz teilnehmen wird, sagte das Folgende: “Im Zuge des Absinkens der Unterstützung für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in Entwicklungsländern haben sich öffentliche Investitionen in Landwirtschaft durch Regierungsseite in Entwicklungsländern ebenfalls verringert. Der Grund dafür ist in erster Linie in neuen Prioritäten von Spendern und Regierungen, die außerhalb der Landwirtschaft liegen, zu suchen, verbunden mit einer neuen Art von Landwirtschaftsprojekten, die kleiner sind und weniger Geldmittel erfordern. Landwirtschaft ist oftmals keine Priorität von Finanzministern”.

Einige afrikanische Regierungen haben jedoch in den letzten Jahren ihre Ausgaben für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Umfang von bis zu wenigstens 10 Prozent ihres Nationalbudgets erhöht, wie auch in der 2003 Deklaration von Maputo beschrieben.

Studien beweisen, dass Investitionen in Landwirtschaft wirksamer sind als Investitionen in alle anderen Sektoren, wenn es darum geht, Menschen aus der Armut zu verhelfen. Wenn Kleinfarmer mehr Geld verdienen, stimulieren sie die Lokalwirtschaft, indem sie mehr für Ausrüstung, Waren und Dienstleistungen, sowie Güter, die nicht mit der Farm in Zusammenhang stehen, ausgeben. Schätzungen des Internationalen Instituts für Ernährungspolitik (IFPRI) zeigen Anstiege in einer Spannweite von zusätzlichen US$0,60 an nicht landwirtschaftlichem Einkommen pro US$1 Anstieg in Farmeinkommen in Niger, bis zu Anstiegen von US$1,88 an nicht landwirtschaftlichem Einkommen pro US$1 Anstieg an landwirtschaftlichem Einkommen in Burkina Faso.

Das Thema des heurigen Forums lautet  “Nachhaltiges Wachstum und Armutsminderung in den ländlichen Gebieten Afrikas: Wie kann Europa ein effizienterer Partner sein?” Der Zweck des Treffens besteht darin, wichtige wirtschaftliche, soziale und umweltbedingte Änderungen, die sich in ländlichen Gebieten ereignen, zu überdenken und praktische Methoden zur Verbesserung von Politikgrundsätzen und Programmen im Zusammenhang mit der ländlichen Entwicklung Afrikas zu diskutieren.


IFAD ist eine internationale Finanzinstitution, sowie eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, deren Ziel die Ausrottung von Armut und Hunger in ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer ist. Mithilfe von Krediten mit niedrigen Zinssätzen und Zuschüssen entwickelt und finanziert IFAD Programme und Projekte, welche der armen Bevölkerung in ländlichen Gebieten dazu verhelfen sollen, auf eigene Faust der Armut Herr zu werden. Es gibt gegenwärtig 195 von IFAD unterstützte Programme und Projekte für die Ausrottung der ländlichen Armut, in einem Gesamtwert von US$6,7 Milliarden. IFAD hat US$3,1 Milliarden investiert, wobei Partner wie beispielsweise Regierungen, Projektteilnehmer, sowie multilaterale und bilaterale Spender Mitfinanzierung leisteten. Diese Initiativen werden ungefähr 86 Millionen armer Frauen und Männer in ländlichen Gebieten dazu verhelfen, bessere Lebensbedingungen für sich und ihre Familien zu schaffen. Seit Beginn ihrer Tätigkeit in 1978 hat IFAD  US$9,6 Milliarden in 738 Programme und Projekte investiert, die über 307 Millionen armer ländlicher Frauen und Männer erreicht haben. Regierungen und andere Finanzierungsquellen, sowie Projektteilnehmer in Empfängerländern leisteten US$9,1 Milliarden an Mitfinanzierung, während multilaterale, bilaterale und andere Spender zusätzliche US$7,1 Milliarden beitrugen.